Juni 2026

ÜBER share

Eine internationale Organisation zur Erforschung des demografischen Wandels – und Österreich ist Gründungsmitglied.

SHARE ist mehr als ein Forschungsprojekt. Es ist eine über zwei Jahrzehnte aufgebaute, europaweit getragene internationale Organisation zur Erforschung des demografischen Wandels – und Österreich ist von Anfang an Teil davon, wissenschaftlich koordiniert an der Johannes Kepler Universität Linz.

  • Seit 2004
  • 28 Länder + Israel
  • SHARE-ERIC (2011)

01 — Grundlage

Was ist eine Forschungsinfrastruktur?

Eine geteilte Ressource, die kein Land allein stemmt.

Manche wissenschaftlichen Fragen lassen sich nur mit Mitteln beantworten, die kein einzelnes Labor und keine einzelne Universität allein aufbringen kann. Das bekannteste Beispiel ist CERN: Den weltgrößten Teilchenbeschleuniger baut und betreibt niemand im Alleingang – er ist eine gemeinsame Einrichtung, über Jahrzehnte angelegt, von vielen Staaten getragen, damit Forschende aus ganz Europa daran arbeiten können.

Genau das ist eine Forschungsinfrastruktur: eine dauerhafte, gemeinschaftlich finanzierte Einrichtung, die Forschung erst möglich macht – und die einzelne Staaten oder Universitäten weder allein betreiben können noch sollen.

Solche Infrastrukturen gibt es in vielen Formen. Manche sind riesige Anlagen an einem Ort, wie der Beschleuniger am CERN. Andere sind über Europa verteilte Sammlungen – etwa Biobanken, in denen biologische Proben für die medizinische Forschung zusammengeführt werden. Und wieder andere bestehen nicht aus Anlagen oder Proben, sondern aus Daten: systematisch, nach einheitlichen Standards erhoben, über viele Länder und viele Jahre hinweg.

SHARE ist eine Forschungsinfrastruktur dieser dritten Art. Was am CERN der Teilchenbeschleuniger ist, ist bei SHARE die über zwei Jahrzehnte aufgebaute, europaweit vergleichbare Datenbasis zum Älterwerden – eine Ressource, auf die Forschung in ganz Europa zugreift und die kein Land allein hätte schaffen können.

02 — Aufgabe und Methode

Wie SHARE arbeitet

Dieselben Menschen, dieselben Standards – über Ländergrenzen und über die Zeit hinweg.

SHARE – der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe – erhebt seit 2004, wie Menschen in Europa älter werden. Im Mittelpunkt steht eine einfache, aber aufwendige Idee: dieselben Menschen über viele Jahre hinweg in regelmäßigen Abständen zu begleiten, statt nur einmalige Momentaufnahmen zu machen. So wird sichtbar, wie sich Gesundheit, Arbeit, Einkommen und soziale Beziehungen im Lebensverlauf tatsächlich verändern.

Dafür wird in jedem Land eine repräsentative Stichprobe von Menschen ab 50 Jahren regelmäßig befragt – im zweijährigen Rhythmus, in persönlichen Interviews und ergänzt um standardisierte gesundheitliche Messungen.

Die Fragen reichen von Gesundheit und Pflege über Erwerbstätigkeit und Einkommen bis zu Familie und sozialen Netzwerken. Weil alle teilnehmenden Länder nach denselben Standards erheben, entsteht etwas Seltenes: Daten, die über Ländergrenzen und über die Zeit hinweg vergleichbar sind.

Das Ergebnis ist eine longitudinale Open-Data-Datenbank – eine wissenschaftliche Ressource, die frei für Forschung und Lehre zugänglich ist und die Disziplinen verbindet, die sonst getrennt arbeiten: Medizin, Ökonomie, Sozialwissenschaften und Statistik.

Österreich in SHARE

Österreich war von der ersten Welle an Teil von SHARE – und ist es geblieben.

Beitrag

Daten aus Österreich seit der ersten SHARE-Welle 2004 – lückenlos über zehn Erhebungswellen hinweg.

Eine der durchgängig vorhandenen Länderzeitreihen im europäischen Netzwerk.

Wissenschaftliche Heimat

Die JKU Linz ist Österreichs Sitz im Netzwerk – Country-Team-Leader, Methodik und universitäre Infrastruktur.

Seit über zwei Jahrzehnten am Standort verankert; Kompetenz, die weit über SHARE hinaus wirkt.

Im Namen der Republik

Das BMFWF finanziert Österreichs Beteiligung – als langfristige Standortentscheidung, nicht als Projektbudget.

Damit gehört Österreich zu jenen Staaten, die SHARE dauerhaft mittragen.

03 — Geografie

Ein Netzwerk über 28 Länder

Europas größtes Forschungsnetzwerk zum Älterwerden – verbunden mit dem US-Forschungsraum über das Scientific Monitoring Board.

In jedem teilnehmenden Land erhebt ein eigenes Forschungsteam nach denselben Standards – meist an einer führenden Universität. So entsteht ein Verbund, der Daten über ganz Europa hinweg vergleichbar macht.

SHARE – Europas Netzwerk zum Älterwerden 28 Länder und Israel, nach denselben Standards – verbunden mit dem US-Forschungsraum. Scientific Monitoring Board US-Institutionen: Univ. of California NIH · RAND Univ. of Michigan Univ. of Chicago SHARE-Mitgliedsländer (28 + Israel) übriges Europa 28 + IL Länder 24.000+ Nutzer:innen ~160.000 Befragte ~616.000 Interviews

04 — Institutioneller Rahmen

ESFRI und ERIC – eine europäische Infrastruktur, kein nationales Projekt.

SHARE ist Teil zweier europäischer Strukturen, die in Österreich wenig bekannt sind – die aber erklären, warum SHARE mehr ist als ein einzelnes Forschungsvorhaben.

Die ESFRI-Roadmap (European Strategy Forum on Research Infrastructures) ist die gemeinsame europäische Landkarte der strategisch wichtigsten Forschungsinfrastrukturen, mit einem Planungshorizont von 10 bis 20 Jahren. Sie legt fest, welche Infrastrukturen Europa langfristig gemeinsam aufbauen und tragen will. SHARE zählt zu den auf dieser Roadmap geführten Forschungsinfrastrukturen mit österreichischer Beteiligung – ein „Leuchtturm“ der europäischen Wissenschaftsplanung.

Damit mehrere Staaten eine solche Infrastruktur gemeinsam und dauerhaft betreiben können, hat die EU eine eigene Rechtsform geschaffen: das ERIC (European Research Infrastructure Consortium), geregelt in der EU-Verordnung 723/2009. Ein ERIC ist eine internationale Organisation mit eigener Rechtspersönlichkeit – nach demselben Grundprinzip wie etwa die Europäische Weltraumorganisation ESA von mehreren Staaten gemeinsam gegründet und getragen, gesteuert über ein Council der Mitgliedstaaten.

SHARE-ERIC war 2011 das erste ERIC überhaupt in Europa.

Österreich
Gründungsmitglied von Beginn an.
Rechtsform
EU-Verordnung 723/2009 – eigene Rechtspersönlichkeit, gesteuert über ein Council der Mitgliedstaaten.
vergleichbar mit
der Europäischen Weltraumorganisation ESA – gemeinsam gegründet, gemeinsam getragen, keiner einzelnen Universität oder Regierung unterstellt.

05 – Aufgabenverteilung

Wer macht was?

Vom europäischen Konsortium bis zur Erhebung in Österreich – das Zusammenspiel folgt einer klaren Logik.

SHARE-ERIC Internationale Organisation · erstes ERIC Europas (2011) · Steuerung durch ein Council der Mitgliedstaaten SHARE Berlin Institut Internationale Koordination im Auftrag des ERIC Nationale Ebene – jedes Mitgliedsland hat ein eigenes Länderteam Österreich Ein nationales Länderteam von 28 Country- Team-Leader Vom Konsortium bestellt (SHARE-Gremien) JKU Linz Wissenschaftliche Partner- institution BMFWF Finanzierung im Namen der Republik Der Country-Team-Leader ist an der JKU angesiedelt; das BMFWF finanziert SHARE Österreich. + 27 weitere Länder- teams

Alles ist Teil von SHARE-ERIC. Das Konsortium trägt die Gesamtverantwortung; die laufende internationale Koordination liegt laut Statuten beim SHARE Berlin Institut. Für die Umsetzung in jedem Mitgliedsland bestellen die SHARE-Gremien eine:n Country-Team-Leader.

In Österreich nimmt die wissenschaftliche Partnerinstitution von SHARE-ERIC diese Aufgabe wahr – derzeit die Johannes Kepler Universität Linz als Arbeitgeberin des Country-Team-Leaders. Sie ist die wissenschaftliche Heimat von SHARE in Österreich und stellt die universitäre Infrastruktur bereit.

Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) finanziert SHARE Österreich – im Namen der Republik.

Mit dieser Rolle gewinnt die JKU mehr als eine Aufgabe: einen festen Platz in einem Forschungsnetzwerk über 28 Länder, die Anbindung an den internationalen Spitzenforschungsraum und eine über zwei Jahrzehnte am Standort aufgebaute Datenerhebungs- und Methodenkompetenz, die weit über SHARE hinaus wirkt.

06 — Internationale Einbindung

In Europa verankert, international vernetzt.

SHARE ist fest in Europa verankert – aber nicht auf Europa beschränkt.

Über ein wissenschaftliches Aufsichtsgremium, das Scientific Monitoring Board, ist SHARE eng mit dem US-amerikanischen Forschungsraum verbunden. In diesem Board wirken Wissenschaftler:innen führender US-Institutionen mit.

Diese internationale Einbindung ist kein Zufall: SHARE ist nach dem Vorbild langjähriger Altersstudien wie der US-amerikanischen Health and Retirement Study aufgebaut und international anschlussfähig gehalten – damit Forschung über Kontinente hinweg vergleichbar bleibt. Über SHARE ist auch die JKU Linz Teil dieses internationalen Forschungsraums.

SHARE EUROPA · SEIT 2004 28 Länder + Israel Health and Retirement Study USA · SEIT 1992 Methodisches Vorbild für SHARE Scientific Monitoring Board wissenschaftliches Aufsichtsgremium IM SMB VERTRETENE US-INSTITUTIONEN University of California National Institutes of Health (NIH) University of Michigan University of Chicago RAND

07 — Ausblick

Von einem Projekt zu einer dauerhaften Infrastruktur.

SHARE 2.0 – der Übergang von einer ursprünglich zeitlich begrenzten zu einer permanenten Forschungsinfrastruktur.

SHARE begann als befristetes Forschungsvorhaben. Über zwei Jahrzehnte ist daraus eine zentrale Säule der europäischen Gesundheits- und Altersforschung geworden – und mit dieser Bedeutung wächst die Notwendigkeit, sie dauerhaft abzusichern.

Genau das ist das Ziel von SHARE 2.0: wie es etwa die US-amerikanische Health and Retirement Study längst ist. Auf europäischer Ebene besteht heute ein breiter wissenschaftlicher und politischer Konsens, SHARE langfristig zu erhalten. Denn der demografische Wandel ist keine vorübergehende Frage – und die Infrastruktur, die ihn erforscht, sollte es auch nicht sein.

Wofür SHARE gebraucht wird.

Der Aufwand hat einen Zweck: belastbare Daten für die drängendsten Fragen unserer Zeit.

Wie bleiben Pensions-, Gesundheits- und Pflegesysteme finanzierbar, wenn die Gesellschaft altert? Wie hängen Erwerbsverlauf, Gesundheit und Ruhestand zusammen? Wie wirken politische Reformen tatsächlich? Die Daten werden unter anderem von der Europäischen Kommission und der OECD genutzt, um Politik auf Evidenz statt auf Vermutungen zu gründen. Dass diese Infrastruktur in Österreich an der JKU Linz verankert ist, stärkt den Forschungsstandort über das Projekt hinaus.