November 2026

KI für die Gesundheitsforschung: SHARE Österreich ist Partner im EU-Projekt COHESION

Mit 14 von 15 Punkten hat sich COHESION in einer stark umkämpften Ausschreibung von Horizon Europe durchgesetzt. Das Projekt baut eine souveräne KI-Infrastruktur, mit der sich klinische Daten, Biobanken, Umwelt- und Bevölkerungsdaten gemeinsam auswerten lassen, ohne dass sie ihren Speicherort verlassen. SHARE Österreich in Linz ist einer von 20 Partnern.

Hart umkämpfte Förderung

Die Erfolgsquoten in der europäischen Forschungsförderung sinken seit Jahren, in manchen Ausschreibungen liegen sie nur noch bei wenigen Prozent. Im Themenbereich von COHESION (HORIZON-INFRA-2026-TECH-01-01) wurden 89 Anträge eingereicht, das Arbeitsprogramm sieht rund elf Förderungen vor. Die Gutachter:innen bewerteten COHESION mit 14 von 15 Punkten, im Kriterium Exzellenz mit der vollen Punktezahl, und nannten das Vorhaben „hoch ambitioniert“.

COHESION in Zahlen

Ein EU-Projekt für KI in der Gesundheitsforschung, mit SHARE-Daten aus 28 Ländern und Israel.

Koordiniert von BBMRI-ERIC in Graz.

14
von 15 Punkten in der EU-Bewertung, volle Punktezahl bei Exzellenz
89
Anträge im Themenbereich, Platz für rund elf Projekte
10
Mio. Euro Budget für 20 Partner aus 12 Ländern
200
Tausend Euro für SHARE Österreich in Linz, 2,2 Mio. Euro für Partner in Österreich

Was COHESION macht

Viele große Gesundheitsfragen lassen sich nur beantworten, wenn klinische Daten mit Informationen über Umwelt und Lebensumstände zusammenkommen. COHESION folgt dabei dem One-Health-Ansatz, nach dem die Gesundheit des Menschen eng mit Umwelt und Klima verbunden ist. In Europa liegen die nötigen Daten aber in getrennten Forschungsinfrastrukturen, mit eigenen Formaten und oft unter unterschiedlichem Recht. Wer sie gemeinsam auswerten will, braucht heute Monate, um passende Bestände überhaupt zu finden. Zusammenführen darf man Gesundheitsdaten aus Datenschutzgründen oft gar nicht.

COHESION arbeitet deshalb nach dem Prinzip „Compute to Data“. Kontrollierte, nachvollziehbare KI-Agenten laufen direkt bei der jeweiligen Datenquelle, und Rohdaten verlassen den Datenhalter nicht. Das Softwarepaket, der „COHESION Pod“, wird bei jedem Partner installiert und als Open Source veröffentlicht. Es ist auf die DSGVO, den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) und den AI Act ausgerichtet.

Drei Anwendungsfälle

  • Krebs und Umweltbelastung:

    Welche chemischen Expositionen hängen mit bestimmten Krebsmerkmalen zusammen?

  • Herz-Kreislauf-Risiko und Lebensumfeld:

    Lässt sich das Risiko daraus vorhersagen, wie und wo Menschen leben? Hier werden SHARE-Daten aus 28 Ländern und Israel erstmals gemeinsam mit Expositionsdaten und den Bevölkerungskohorten der Biobank Graz und der Universität Oulu auswertbar.

  • Klima und Pilzinfektionen:

    Wie verschiebt der Klimawandel die Verbreitung von Erregern wie Aspergillus fumigatus?

Die Rolle von SHARE Österreich

In Linz entwickeln wir Prototypen von KI-Agenten für die SHARE-Daten, arbeiten am Zugriffs- und Rechtekonzept mit und betreiben einen der Standorte, an denen die verteilte Analyse erprobt wird. Außerdem sind wir am Schulungsprogramm für das Personal der beteiligten Forschungsinfrastrukturen beteiligt. Dabei nutzen wir die Erfahrung aus SARA, unserem Prototyp einer Literatur- und Analyseplattform für SHARE, der mit einem lokal betriebenen Open-Source-Modell auf eigener Hardware läuft.

Das Linzer Team forscht selbst zu Gesundheit im Alter. Zuletzt ging es etwa um die Frage, ob Österreicher:innen gesund altern (Empirica, 2026), und um die Akzeptanz elektronischer Gesundheitsakten bei Älteren (European Journal of Health Economics, 2023).

„Gute Analysen lassen sich mit KI bald auf Knopfdruck schreiben. Gute Gesundheitsdaten nicht. COHESION zeigt, dass Europa das verstanden hat.“

Michael Radhuber

Country Team Leader, SHARE Österreich

Ein Konsortium der Gesundheitsforschung

Zu den Partnern zählen BBMRI-ERIC, das Deutsche Krebsforschungszentrum, das Erasmus MC Rotterdam, das Universitätsklinikum Groningen, das spanische Instituto de Salud Carlos III, ISGlobal Barcelona und die Medizinische Universität Graz. Neben SHARE Österreich sind auch SHARE-ERIC und das SHARE Berlin Institute beteiligt.

Warum das für Österreich zählt

Rund 2,2 Millionen Euro der Fördersumme gehen an Partner mit Sitz in Österreich: an den Koordinator BBMRI-ERIC in Graz, an die Medizinische Universität Graz und an die JKU. Insgesamt fließen rund 519.000 Euro an SHARE, also an SHARE-ERIC, das SHARE Berlin Institute und die JKU. Rund 200.000 Euro davon gehen an SHARE Österreich in Linz.

KI verschiebt, was in der Forschung knapp ist. Auswertungen, Code und Literaturrecherche werden mit jeder Modellgeneration billiger. Was sich nicht generieren lässt, sind Gesundheitsdaten, die über zwei Jahrzehnte sorgfältig und mit Einwilligung erhoben wurden. Wer solche Daten erhebt und sicher zugänglich macht, bestimmt mit, welche Fragen die Gesundheitsforschung künftig beantworten kann.

COHESION AUF EINEN BLICK

Programm: Horizon Europe, Research Infrastructures (HORIZON-INFRA-2026-TECH-01-01)
Laufzeit: 48 Monate
Konsortium: 20 Partner aus 12 Ländern, darunter BBMRI-ERIC, MIRRI-ERIC und SHARE-ERIC
Koordination: BBMRI-ERIC, Graz
SHARE-Partner: SHARE-ERIC, SHARE Berlin Institute, SHARE Österreich an der JKU