Enkelbetreuung als Gedächtnistraining
Eine aktuelle Studie zeigt: Großeltern, die regelmäßig Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen, schneiden in kognitiven Tests besser ab als jene ohne engen Kontakt zu jüngeren Generationen. Besonders profitieren Großmütter.
Ob die Betreuung von Enkelkindern die geistige Leistungsfähigkeit im Alter erhalten kann und welche Formen der Betreuung besonders wirksam sind wurde anhand von Daten unserer Schwesterstudie in England untersucht. Hintergrund ist die Annahme, dass ein aktiver, sozial eingebundener Lebensstil kognitive Einbußen im höheren Lebensalter abmildern kann. Während Aktivitäten wie Ehrenamt oder soziale Kontakte mit Freunden bereits gut erforscht sind, blieb die Rolle der Enkelbetreuung bislang weitgehend unbeachtet.
Die Forschenden nutzten Daten aus der English Longitudinal Study of Ageing (ELSA) und analysierten in mehreren Erhebungswellen, wie sich die Häufigkeit der Betreuung, die Art der Aktivitäten und die Vielfalt der Betreuungsaufgaben auf zwei zentrale kognitive Fähigkeiten, das episodische Gedächtnis und die verbale Flüssigkeit auswirkten.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Großeltern, die regelmäßig, aber nicht übermäßig viel Zeit mit der Betreuung ihrer Enkel verbringen, tendenziell bessere kognitive Werte und einen langsameren Abbau geistiger Fähigkeiten zeigen als jene ohne Betreuungsaufgaben. Besonders vorteilhaft scheint eine Vielfalt an Aktivitäten zu sein – also eine Mischung aus spielerischen, unterstützenden und kommunikativen Aufgaben, die geistig anregen und soziale Verbundenheit fördern.
Dabei zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Großmütter sind häufiger und intensiver in die Pflege eingebunden, während Großväter eher gemeinsame Freizeitaktivitäten übernehmen. Die kognitiven Effekte fallen jedoch insgesamt gemischt aus – intensive Belastung kann auch zu Stress führen und die sogenannte „Rollenüberforderung“ verstärken.
Die Studie betont, dass frühere Forschung den Zusammenhang oft zu stark vereinfacht hat. Künftige Analysen sollten stärker berücksichtigen, welche Art von Engagement geistig anregend und ausgewogen wirkt. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass maßvolle und vielfältige soziale Aktivitäten wie die Enkelbetreuung einen Teil dazu beitragen können, die geistige Gesundheit im Alter zu schützen.
Publikation
Chereches, F. S., Olaru, G., Ballhausen, N., & Brehmer, Y. (2026). Grandparents’ cognition and caregiving for grandchildren: Frequency, type, and variety of activities. Psychology and Aging. Advance online publication.
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