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Forschungsergebnis Dezember 2025

Die Rolle von Bildung in der Demenzprävention muss überdacht werden

Ältere Erwachsene schneiden heute besser bei Gedächtnis- und Denkaufgaben ab als vor 20 Jahren. Der Grund dafür ist jedoch nicht eindeutig Bildung, sondern möglicherweise breitere gesellschaftliche und individuelle Veränderungen des Lebensstils.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Bildung und Schutz vor Demenz komplexer ist als bisher angenommen. Bildung allein scheint nicht der entscheidende Faktor zu sein – vielmehr spielen frühe Lebensbedingungen und gesellschaftliche Veränderungen eine wichtige Rolle.

Bildung galt lange als Schutzfaktor gegen Demenz, da Menschen mit höherem Bildungsniveau bessere Gedächtnisleistungen im Alter zeigen.

Hierzu gibt es drei Theorien:

  • Lernen verlangsamt den Verlust von Hirngewebe.
  • Bildung baut eine kognitive Reserve auf und hilft, Schäden im Gehirn zu kompensieren.
  • Menschen mit besseren kognitiven Fähigkeiten erhalten eher mehr Bildung.

Ein internationales Team rund um Professor Anders Fjell untersuchte Daten von 130.000 Europäerinnen und Hirnscans von rund 6.500 Personen. In ihrer Untersuchung zeigen sie, dass Menschen mit höherer Bildung mit besseren Gedächtnisleistungen starten. Der Abbau der Gedächtnisleistung verläuft jedoch gleich schnell, unabhängig vom Bildungsniveau. Höher Gebildete beginnen auf einem höheren Niveau, verlieren aber im gleichen Tempo an Gedächtnisleistung, wie weniger Gebildete.

Kurven zeigen Abbau von Gedächtnisleistung im Alter. Die Kurven verlaufen parallel: Höher Gebildete beginnen auf einem höheren Niveau, verlieren aber im gleichen Tempo wie weniger Gebildete.

Effekt von Alter und Ausbildung auf das Gedächtnis (adaptiert von SHARE-ERIC von Fjell et al., 2025).

 

Welche politischen Implikationen leiten sich daraus ab?

Bildung ist und bleibt wichtig, reicht aber allein als präventive Maßnahme nicht aus. Bildung ist ein Vorteil, aber kein Schutzschild. Für wirksame Demenzprävention braucht es ein Zusammenspiel von Bildung, Lebensstil, sozialer Gerechtigkeit und Gesundheitspolitik.

Publikation

Fjell, A.M., Rogeberg, O., Sørensen, Ø.  et al. Reevaluating the role of education on cognitive decline and brain aging in longitudinal cohorts across 33 Western countries. Nat Med 31, 2967–2976 (2025).

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de