Hobbys im Alter: Langsamerer kognitiver Abbau und häufigere Erholung
Neue Studie mit SHARE-Daten zeigt: Wer Hobbys pflegt, hat bessere Chancen, nach einer Verschlechterung wieder normale Testwerte zu erreichen.
Lesen, Gartenarbeit, Kartenspielen oder ein Ehrenamt gelten seit Langem als gut für die geistige Fitness im Alter. Meist wurde bisher jedoch nur untersucht, ob Hobbys den kognitiven Abbau hinauszögern. Eine aktuelle Studie im European Journal of Ageing geht einen Schritt weiter: Sie fragt, ob Hobbys auch dann noch helfen, wenn die Leistung bereits nachgelassen hat.
Das Forschungsteam der Fudan University in Shanghai kombinierte Daten von über 120.000 Personen ab 50 Jahren aus 31 Ländern. Den größten Teil liefert die Forschungsinfrastruktur SHARE mit Daten aus den Erhebungswellen 5 bis 8 (2013–2019), auch aus Österreich. Ergänzt wurden sie durch die Schwesterstudien in England (ELSA), den USA (HRS) und China (CHARLS). Gemessen wurde die kognitive Leistung über Gedächtnis-, Orientierungs- und Rechenaufgaben. Die Teilnehmenden wurden danach drei Gruppen zugeordnet: normale Kognition, leichter oder schwerer Abbau. Es handelt sich dabei um Testergebnisse, nicht um Demenzdiagnosen.
Die zentralen Ergebnisse
In Europa hatten Menschen mit Hobbys ein um 40 % geringeres Risiko, von normaler Kognition in einen leichten Abbau überzugehen. Auffälliger noch: Personen, die bereits einen leichten Abbau zeigten, kehrten mit Hobbys häufiger zu normalen Testwerten zurück. In Europa lag die Wahrscheinlichkeit um 21 % höher, in England sogar um 37 %.
Einschränkungen: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis, dass Hobbys die geistige Leistung tatsächlich verbessern. Es kann auch umgekehrt sein: Wer merkt, dass das Gedächtnis nachlässt, gibt Hobbys vielleicht früher auf. Außerdem unterliegen Testergebnisse normalen Schwankungen. Die Ergebnisse blieben aber auch bei mehreren zusätzlichen Prüfungen stabil.
Warum ist das wichtig?
Weltweit leben über 55 Millionen Menschen mit Demenz. Die Autor:innen plädieren dafür, Freizeitaktivitäten leistbar und zugänglich zu machen, als Teil der öffentlichen Gesundheitsvorsorge.
Publikation
Cai, Y., Sun, Y. & Yang, F. (2026). Association of hobby engagement with cognitive decline transitions and healthy life expectancy: evidence from four international ageing cohorts. European Journal of Ageing.
Bild: © Jevtic / iStock