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Forschungsergebnis September 2026

Kein Unterschied im verbalen Gedächtnis zwischen Links-, Rechts- und Beidhändigen im Alter

Händigkeit hängt mit unterschiedlichen kognitiven Stärken zusammen – beim verbalen Gedächtnis zeigt sich jedoch kein Effekt.

Linkshänder:innen gelten oft als im Vorteil bei räumlich-visuellen Aufgaben, Rechtshänder:innen bei sprachbezogenen – ein Muster, das mit der unterschiedlichen Arbeitsteilung der Gehirnhälften erklärt wird. Ob sich das auch beim verbalen Gedächtnis zeigt, war bisher unklar: Frühere Studien kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Die Untersuchung anhand von SHARE-Daten

Die Neuropsychologin Annukka Lindell (La Trobe University, Australien) nutzte Daten der neunten Erhebungswelle der Forschungsinfrastruktur SHARE: Angaben von über 51.000 Personen ab 60 Jahren aus 28 Ländern und Israel – eine für die Handedness-Forschung außergewöhnlich große Stichprobe.

Erfasst wurden zum einen die subjektive Selbsteinschätzung des eigenen Gedächtnisses, und zum anderen ein objektiver Test: eine Liste von zehn Wörtern, die sofort und fünf Minuten später erinnert werden sollte. Rund 90 % der Befragten waren rechtshändig, 6 % linkshändig, knapp 4 % beidhändig (definiert als von Geburt an gleich geschickt mit beiden Händen).

Das Ergebnis: kein Unterschied

Trotz der großen Stichprobe zeigte sich weder beim unmittelbaren noch beim verzögerten Erinnern ein Unterschied zwischen rechts-, links- und beidhändigen älteren Menschen.

Geschlecht statt Händigkeit entscheidend

Ein Faktor sagte die Gedächtnisleistung zuverlässig voraus: das Geschlecht. Frauen schnitten bei beiden Tests besser ab als Männer – ein Befund, der dafür spricht, dass Grenzwerte zur Früherkennung von kognitivem Abbau geschlechtsspezifisch angewendet werden sollten, statt einen einheitlichen Maßstab anzulegen.

Auffällig viele Beidhändige

Weltweit gelten nur rund 1 % der Menschen als von Geburt an beidhändig – in der Stichprobe waren es knapp 4 %. Lindell vermutet, dass sich manche eher „gemischthändig“ (unterschiedliche Hände für unterschiedliche Tätigkeiten) als tatsächlich beidhändig einordnen, und dass diese Gruppe generell selbstbewusster ist: Sie bewertete ihr eigenes Gedächtnis positiver, obwohl die Testleistung sich nicht von der anderer Gruppen unterschied.

Fazit

Der vermutete Gedächtnisvorteil je nach Händigkeit lässt sich für das verbale Gedächtnis im Alter nicht bestätigen. Auffälligster Befund bleibt der Geschlechterunterschied – ein Hinweis, bei Gedächtnistests altersunabhängig auch das Geschlecht zu berücksichtigen.

Publikation

Lindell, A. K. (2026). Handedness Influences Subjective Memory Ratings but not Objective Memory Performance in Older Adults. Perceptual and Motor Skills.

Bild: © PointImages / iStock