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Forschungsergebnis April 2026

Altern Österreicher:innen gesünder? Trends der funktionalen Fähigkeiten in Österreich und Europa, 2011–2022

Eine neue Studie von Nicole Halmdienst, Michael Radhuber, Theresa Weitzhofer-Yurtisik und Rudolf Winter-Ebmer von der Johannes Kepler Universität Linz zeigt: Ältere Menschen in Österreich und Europa leben zunehmend gesünder – trotz steigender Lebenserwartung.

Die Forschenden analysierten Daten aus vier Wellen des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) aus den Jahren 2011 bis 2022. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Österreicherinnen und Österreicher ab 65 Jahren im Zeitverlauf häufiger oder seltener Einschränkungen bei alltäglichen Tätigkeiten berichten – etwa beim Anziehen, Kochen oder Einkaufen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Die Studie zeigt einen klaren Rückgang funktionaler Einschränkungen in zehn europäischen Vergleichsländern. Für Österreich ist der Trend schwächer, weist aber in dieselbe Richtung: Ältere Menschen sind bei einem gegebenen Alter weniger eingeschränkt als noch vor einem Jahrzehnt. Steigende Lebenserwartung geht also nicht zwangsläufig mit mehr Jahren in Pflegebedürftigkeit einher.

 

ADL und IADL trends in Österreich und EuropaDie vier Abbildungen zeigen die alterskontrollierten Anteile von Personen mit mindestens einer Einschränkung in den instrumentellen bzw. basalen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL und ADL), jeweils mit linearem Trend. Dargestellt sind vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten im Alter von 75 Jahren aus gewichteten Logit-Schätzungen, kontrolliert für Geschlecht, Alter in Jahren zum Zeitpunkt des Interviews sowie das Wohnland.

 

Was ist mit den alarmierenden ATHIS-Zahlen?

Daten der Österreichischen Gesundheitsbefragung (ATHIS) hatten zwischen 2014 und 2019 einen starken Anstieg von Einschränkungen gemeldet – ein Befund, der in den Medien für Aufsehen sorgte. Die neue Studie legt nahe, dass dieser Anstieg möglicherweise teilweise auf einen Wechsel der Erhebungsmethode zurückzuführen ist: 2014 wurden die Interviews telefonisch geführt, 2019 überwiegend persönlich. Solche Methodenwechsel können die Zusammensetzung der Stichprobe verändern und so scheinbare Verschlechterungen erzeugen, die keine realen Veränderungen im Gesundheitszustand der Bevölkerung widerspiegeln.

Was bedeutet das für Pflege und Politik?

Die Ergebnisse sind eine gute Nachricht für die Pflegeplanung: Wenn ältere Menschen bei einem gegebenen Alter weniger eingeschränkt sind als früher, wächst der Pflegebedarf weniger stark als rein demografische Prognosen vermuten lassen. Allerdings steigt die absolute Zahl älterer Menschen weiter – der Druck auf Gesundheits- und Pflegesysteme bleibt also bestehen.

Fazit

Längeres Leben bedeutet nicht automatisch mehr Jahre mit Einschränkungen. Die Studie unterstreicht, wie wichtig methodisch konsistente Daten für eine verlässliche Gesundheitsberichterstattung sind – und gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus für das Altern in Europa.

Publikation

Halmdienst N., Radhuber M., Weitzhofer-Yurtisik T. & Winter-Ebmer R. (2026): Are Austrians ageing healthily? Empirica.

Bild: © Rainer Sturm / pixelio.de