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Forschungsergebnis Mai 2026

Werden Europas Ältere von Generation zu Generation klüger? Eine neue Studie mit SHARE-Daten

Ältere Europäerinnen und Europäer schneiden in kognitiven Tests von Generation zu Generation besser ab — doch die Zuwächse variieren stark nach Fähigkeit und Land.

Auf Basis von SHARE-Daten aus 22 europäischen Ländern und über 128.000 Befragten (2005–2022) wurde erstmals systematisch untersucht, ob der sogenannte Flynn-Effekt auch bei Personen ab 50 Jahren nachweisbar ist. Der Flynn Effekt bedeutet der langfristige Anstieg kognitiver Testwerte und ist für jüngere Altersgruppen gut belegt. Analysiert wurden fünf kognitive Fähigkeiten, die allesamt exekutive Funktionen erfassen: verbale Flüssigkeit (Anzahl genannter Tiere in 60 Sekunden), Arbeitsgedächtnis (unmittelbares Erinnern einer Wortliste), freies Erinnern (verzögerter Abruf derselben Liste) sowie Rechenkompetenz (Prozent- und Bruchrechnung; serielles Subtrahieren).

Die Ergebnisse bestätigen den Flynn-Effekt für ältere Erwachsene — allerdings mit deutlichen Unterschieden. Verbale Flüssigkeit verzeichnet die stärksten Zuwächse (rund 4 IQ-Punkte pro Dekade), gefolgt vom Arbeitsgedächtnis (rund 3,2 Punkte) und dem freien Erinnern (rund 2,3 Punkte). Die Rechenkompetenz hingegen stieg kaum. Spanien fällt als Ausreißer mit besonders großen Verbesserungen auf, was auf den raschen Bildungsausbau des Landes zurückgeführt werden kann. Werden Bildungsniveau und Testalter statistisch kontrolliert, schrumpfen die Effekte erheblich — ein Zeichen dafür, dass ein Großteil der Verbesserungen auf das gestiegene Bildungsniveau jüngerer Kohorten zurückgeht. Verbale Flüssigkeit bleibt jedoch auch nach dieser Kontrolle signifikant positiv.

Die zentrale Schlussfolgerung

Die Verbesserungen spiegeln keinen allgemeinen IQ-Anstieg wider, sondern sind fähigkeitsspezifisch — und damit wahrscheinlich Ausdruck veränderter gesellschaftlicher Anforderungen, etwa einer medialen und sozialen Umwelt, die sprachliche Fähigkeiten stärker fordert.

Publikation

Andrzejewski, D., Fries, J., & Pietschnig, J. (2026). Executive Function Flynn Effects are Independent of Psychometric g in Aging Populations Across Europe (2005–2022). Intelligence & Cognitive Abilities.

Bild: © Rainer Sturm / pixelio.de