Lebensendplanung: Persönlichkeit spielt kaum eine Rolle
Eine aktuelle Studie zeigt, dass nicht individuelle Charaktereigenschaften, sondern strukturelle und soziale Rahmenbedingungen maßgeblich beeinflussen, ob Menschen ihre Lebensendvorsorge frühzeitig planen.
Ob jemand Patientenverfügungen erstellt, Bestattungswünsche dokumentiert oder finanzielle Angelegenheiten im Voraus regelt – die Vermutung liegt nahe, dass solche Entscheidungen maßgeblich vom individuellen Charakter geprägt werden. Eine aktuelle Studie kommt jedoch zu einem anderen Schluss: Persönlichkeitsmerkmale haben auf die Lebensendplanung nur einen geringen Einfluss.
Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Offenheit oder emotionale Stabilität erklären kaum, warum manche Menschen ihre Lebensendvorsorge frühzeitig in Angriff nehmen und andere nicht. Als bedeutsamer erweisen sich strukturelle und soziale Rahmenbedingungen – darunter die Ausgestaltung des Gesundheitssystems, familiäre Kommunikation sowie kulturelle und gesellschaftliche Normen.
Die Befunde haben praktische Implikationen: Ist die Persönlichkeit kein ausschlaggebender Faktor, eröffnen sich neue Ansatzpunkte für gezielte Aufklärung und niedrigschwellige Beratungsangebote. Eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema könnte die Bereitschaft zur Lebensendplanung nachhaltig stärken – unabhängig von individuellen Charaktereigenschaften.
Publikation
Ryser, VA., Vilpert, S. & Maurer, J. Personality traits and end-of-life planning in older adults: insights from a population-based survey. Eur J Ageing (2026).
Bild: © Rainer Sturm / pixelio.de